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Mit Lasergeschützen gegen Atari

01.09.2011 · 3 Kommentare

Mit Lasergeschützen gegen Atari

Oben: Demon Attack gehört zu den besten Space-Shootern auf dem Atari VCS. (Bild: Imagic)

Manchmal ist es wirklich erstaunlich, wieviel farbenprächtigen Spielspaß man in ein einfaches Spielmodul von 4 KB (!) Kapazität packen kann. Es gibt einige Spiele dieser Sorte auf dem Atari VCS (auch als Atari 2600 bekannt), aber für mich DER Klassiker schlechthin ist eindeutig Demon Attack.

Vier Kilo Weltraumaction

Der Weltraum-Shooter wurde 1982 von dem Amerikaner Rob Fulop programmiert. Fulop hatte bereits 1980 den wichtigen Atari-Klassiker Night Driver und 1981 den Meilenstein Missile Command von den Arkaden auf die heimische VCS-Konsole portiert. Nach seinem Ausstieg bei Atari, gründete er am 17. Juli 1981 das Unternehmen Imagic. Dort entwickelte Fulop spätere auch weitere VCS-Hits wie Cosmic Ark oder das Unterwasser-Abenteuerspiel Fathom.

Im Kampf gegen die grausigen Ungeheuer aus dem All auf dem Atari VCS. (Bild: Imagic)
Im Kampf gegen die grausigen Ungeheuer aus dem All auf dem Atari VCS. (Bild: Imagic)

Worum geht es in Demon Attack? Nun, man betrachte den Screenshot oben und man kann es vielleicht erahnen. Der Spieler (zwei sind möglich) ist im Besitz einer Raketenbasis am unteren Bildschirmrand, die sich nur von links nach rechts bewegen und natürlich schießen kann. Das ist sehr wichtig, denn von oben greifen die Dämonen aus dem All an. Immer drei auf einmal, bis eine Angriffswelle abgeschlossen wurde. Die Dämonen bewegen sich dabei relativ planlos hin und her und feuern auf die Raketenbasis. Wobei nur der jeweils untere in der Lage ist, einen Schuss abzugeben. So sind die ersten paar Level ohne größere Probleme zu absolvieren.

«Gerüstet mit Ihrem Lasergeschütz treten Sie den Kampf aller Kämpfe an, wo nur das Eine zählt: Überleben!»

Anleitung zu Demon Attack

Schwieriger wird es im weiteren Spielverlauf: Das Tempo nimmt zu und eine gemeinere Sorte Aliens taucht auf, die bei einem Treffer nicht einfach vernichtet wird, sondern sich in der Mitte teilt. So wird aus einem einzelnen Alien eine doppelte Bedrohung. Und das ist noch nicht alles: wenn die schießende Hälfte des untersten Aliens getroffen wird, beginnt die andere sich in Kamikaze-Manier auf den Spieler zu stürzen. Man sollte ihr ausweichen (das ist schwer) oder sie abschießen. Viel mehr hat das Spiel eigentlich nicht zu bieten, aber dennoch ist es einfach immer wieder klasse, den Kampf aufzunehmen und einen noch höheren Highscore zu erreichen. Grafik und Sound sind für heutige Verhältnisse natürlich nicht mehr zeitgemäß, waren damals aber sehr gelungen und erhielten viel Lob.

Rob Fulop - ein bescheidener Star

In einem Interview mit dem deutschen Spielemagazin Telematch aus dem Juni 1983 bekennt der erfolgreiche Softwareentwickler und Firmengründer, dass er eigentlich nur in Spielhallen ging, um dort zu beobachten. Nicht um selbst zu spielen. Mit Demon Attack war er nicht richtig zufrieden. So wechselten ihm die Bildschirmszenen zu schnell und er war der Meinung, dass das Spiel etwas zu monoton wäre.

Fulop programmierte Demon Attack mit Mitte Zwanzig. Die Entwicklung des Spiels dauerte ca. sechs Monate, wobei etwa 90% des Spiels bereits nach vier Monaten fertig gestellt waren. Die letzten 10% wurden darauf verwendet, dass Programm aus Produktionsgründen zu kürzen. Dieser Schritt war laut Fulop eine sehr anstrengende Phase, die viel Disziplin erfordert. Rob Fulop gibt in dem Interview ebenfalls zu Protokoll, dass er seine Leidenschaft, die Programmierung phasenweise für eine sehr belastende und ernste Arbeit hält. So wie es klingt, empfindet er seinen Job in der Videospielbranche nicht ausschliesslich als puren Spaß. Deshalb spielt er auch kaum in der Freizeit, sondern schaltet Zuhause in seiner Freizeit lieber „einmal ab“.

Kampf auch im Gerichtssaal

„Überleben Sie den Dämonenansturm!“ (Bild: Imagic)
„Überleben Sie den Dämonenansturm!“ (Bild: Imagic)
Für Aufregung sorgte übrigens auch das juristische Drumherum. Die Firma Atari war nämlich in doppelter Hinsicht mit Imagic unglücklich: zum einen, weil es (zusammen mit Activision) die erste Firma war, die es sich „erdreistete“, an Atari vorbei für das VCS zu produzieren. Zum anderen, weil Demon Attack doch ziemliche Ähnlichkeiten zu Ataris Phoenix (lizensiert von Centuri) aufwies und damit angeblich die Verkäufe von Atari negativ beeinflusste. Im Dezember 1982 erhob Atari deshalb Klage gegen Imagic.

Beide Unternehmen einigten sich außergerichtlich und Imagic durfte Demon Attack weiterhin, auch für andere Videospielkonsolen und Heimcomputer, verkaufen. Sogar die Version für das Mattel Intellivision System, die als einzige Konsolenfassung, genau wie das angebliche Vorbild Phoenix, einen Raumschiff-Level enthielt. Das Spiel wurde zum größten Hit für Imagic überhaupt. Im Jahre 1983 erhielt Demon Attack den Titel „Videogame of the Year“ (Billboard) und wurde damit zum Flaggschiff von Fulops Firma. Über die damalige Einigung zwischen Atari und Imagic sind übrigens bis heute keine Details bekannt.

Demon Attack ist wirklich ganz der gute alte Zeitgeist. Man kann zwar eigentlich nicht gewinnen (das Spiel wiederholt sich nach 84 Angriffswellen), sondern nur das Ende möglichst lange hinauszögern. Dennoch möchte ich euch diesen Klassiker empfehle, um zu festzustellen, dass Spiele wie Demon Attack auch heute noch eine Menge Spaß machen können. Und immer daran denken: Alles wurde mit nur 4 Kilobyte Speicher realisiert. Das reicht bei Microsoft Windows nicht einmal für eine durchschnittliche INI-Datei.

Überarbeitete Originalfassung vom 5. Januar 2004

Michael Behr · 01.09.2011

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ÜBER DEN AUTOR

Michael Behr
Michael Behr
Michael war als Angehöriger des Jahrgangs 1975 genau zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle, um das zu werden, was man in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts als ein „Computerkid“ bezeichnete. Er gehört damit zur Generation derjenigen, die sich spielerisch eine ganz neue Welt erschlossen, die bis dahin für weite Teile der Bevölkerung nur Science-Fiction gewesen war. Und ebenso selbstverständlich, wie in der Schule Englischvokabeln gepaukt wurden, beherrschten diese Kids bald auch die Sprache der grauen oder beigen oder schwarzen Kästen, die für sie das Eingangstor in diese Welt darstellten. Michael hegt und pflegt heute noch die wärmsten Erinnerungen an seinen ersten Computer, einen Schneider CPC 464. Wenn er nicht auf der Retrowelle schwimmt, schildert er auf seinem Blog Mein Traum vom eigenen Buch seinen Weg zum veröffentlichten Romanautor.

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