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Die Atari Centipede Weltmeisterschaft 1983

16.10.2003 · 1 Kommentar

Die Atari Centipede Weltmeisterschaft 1983

Oben: Klaus Wolf und Michael Schanze im Jahr 1983. (Bild: Marshall Cavendish)

Josef Strater, Klaus Wolf und Hans-Ueli Hasler 1983 (Bild: Marshall Cavendish)
Josef Strater, Klaus Wolf und Hans-Ueli Hasler 1983 (Bild: Marshall Cavendish)
Am Ende des Jahres 1983 hatte ich die Ehre bei einem Besuch der Firma Atari in Hamburg zufällig auf Klaus Wolf zu treffen, der sich ebenfalls gerade dort aufhielt. Diese günstige Gelegenheit wurde selbstverständlich gleich dafür genutzt, um ein Interview zu machen, das in dem darauffolgenden Atari Bundesliga-Magazin im Februar 1984 erscheinen sollte.

Klaus Wolf war der doppelte Deutsche Juniorenmeister (Altersgruppe bis 25 Jahre) der offiziellen Atari Weltmeisterschaften von 1982 in Pac-Man und 1983 in Centipede. Somit also auch der deutsche Vertreter bei den weiteren Wettkämpfen für die Weltmeisterschaft. Einen deutschen Weltmeister gab es aber leider nur einmal, das war 1982 mit Johann Beiderbeck als Pac-Man-Weltmeister in der Seniorenklasse (Altersgruppe ab 25 Jahre).

Beachtlich war die Leistung, daß Klaus Wolf zwei Jahre hintereinander der deutsche Favorit für die Atari-Weltmeisterschaft war. Wenn man bedenkt, wieviel deutsche Spieler damals an den beiden Weltmeisterschaften zusammen teilnahmen!

Interview mit Klaus Wolf

ÜBERARBEITETER AUSZUG AUS DEM ATARI BUNDESLIGA-MAGAZIN VOM FEBRUAR 1984

Guido Frank: Wie alt bist Du und wo wohnst Du?

Klaus Wolf: Ich bin 16 Jahre alt und wohne in Neuwied. Das liegt ungefähr 15 km von Koblenz entfernt.

Guido Frank: Seit wann und woher kennst Du Atari?

Klaus Wolf: Ich kenne das VCS 2600 seit circa drei Jahren, wo ich es erstmals in einem Spielwarengeschäft gesehen habe.

Guido Frank: Wie bist Du zur Pac-Man-Weltmeisterschaft gekommen?

Klaus Wolf traf im Rahmen der Weltmeisterschaft auf den bekannten Fernsehmoderator Michael Schanze. (Bild: Atari)
Klaus Wolf traf im Rahmen der Weltmeisterschaft auf den bekannten Fernsehmoderator Michael Schanze. (Bild: Atari)

Klaus Wolf: Als ich mir das Atari-Telespiel gekauft hatte, meldete ich mich sofort im Atari-Club an und habe durch das Clubmagazin erfahren, daß es eine Pac-Man-Weltmeisterschaft geben wird. Diese wurde zuerst in den Fan-Clubs ausgetragen. Ich hatte inzwischen einen solchen gegründet und mitgemacht. In meinem Club hatte ich gewonnen und bin daraufhin von der Firma Atari nach Hamburg zur Deutschen Meisterschaft eingeladen worden.

Dort kam ich als letzter an, wegen schlechter Zugverbindungen, habe mitgespielt und knapp gewonnen. Daraufhin sollte ich zur Weltmeisterschaft nach Monaco. Jedoch eine halbe Woche vor dem Start der Weltmeisterschaft starb dann Gracia Patricia von Monaco und die Regierung setzte eine Woche Staatstrauer an. Atari verlegte nun die Weltmeisterschaft innerhalb von zwei Tagen nach Paris. Dort habe ich gegen insgesamt 15 Nationen gespielt und den vierten Platz belegt.

Guido Frank: Welche der beiden Meisterschaften war besser organisiert?

Klaus Wolf: Die Centipede-Meisterschaft war besser organisiert, denn bei der Deutschen Meisterschaft hat jeder eine Urkunde erhalten, was letztes Jahr bei der Pac-Man-Meisterschaft nicht der Fall war. Außerdem bekamen die Gewinner, das heißt Josef Strater und ich, eine Medaille.

Guido Frank: Hast Du eigentlich schon 1981 bei der Asteroids Weltmeisterschaft mitgemacht?

Klaus Wolf: Nein, damals hatte ich das Atari-Telespiel noch nicht.

Guido Frank: Wieso glaubst Du bist Du Deutscher Meister in Pac-Man und Centipede geworden?

Junge Videospieler unter dem Sternenhimmel. Impression von der Weltmeisterschaft von 1983. (Bild: Atari)
Junge Videospieler unter dem Sternenhimmel. Impression von der Weltmeisterschaft von 1983. (Bild: Atari)

Klaus Wolf: Weil ich meine Gegner überschätzte und dadurch sehr viel geübt habe. Bei der Centipede-Meisterschaft hatte ich schon so viel Erfahrung durch die Computerspiele, denn bei der Pac-Man-Meisterschaft hatte ich einen Atari 800 Computer gewonnen. Durch die Routine am Joystick hatte ich keine Probleme zu gewinnen.

Guido Frank: Was waren Deine genauen Punktzahlen bei den Wettkämpfen?

Klaus Wolf:
  • Pac-Man Deutsche Meisterschaft: um die 10.900 Punkte in 15 Minuten.
  • Pac-Man-Weltmeisterschaft: 15.475 Punkte in 20 Minuten.
  • Centipede Deutsche Meisterschaft: 254.061.5 Punkte (Vorrunde 15 Minuten + Endrunde 20 Minuten, durch 2).
  • Centipede-Weltmeisterschaft: 297.517 Punkte in 20 Minuten.

Guido Frank: Wie waren die Weltmeisterschaften organisiert?

Klaus Wolf: Sie waren echt spitze organisiert. In Paris wohnte ich in einem Vier-Sterne-Hotel und in München im Sheraton. Es gab zum Beispiel auch eine Stadtrundfahrt durch München in einer gemieteten Straßenbahn. Das Hotel und die Spesen übernahm komplett Atari.

Guido Frank: Was ist Deine Meinung zum Atari VCS 2600?

Klaus Wolf: Seitdem ich den Atari 800 Computer habe, finde ich die VCS Konsole nicht mehr gut, denn für meinen Computer gibt es viel bessere Spiele. Aber für jemanden, der die Qualitäten des Computers nicht kennt, ist es spitze.

Guido Frank: Wirst Du an weiteren Atari-Weltmeisterschaften noch teilnehmen?

Klaus Wolf: Natürlich werde ich bei den neuen Meisterschaften wieder mitmachen. Anmerkung des Autors: Leider war die Centipede-Weltmeisterschaft 1983 die letzte, die von der Firma Atari ausgetragen wurde.

Guido Frank: Du warst eine Woche bei Atari zu Besuch, was kannst du davon berichten?

Klaus Wolf: Dort habe ich ein wenig programmieren gelernt. Die Arbeitsatmosphäre ist dort sehr locker. Außerdem sind die Mitarbeiter dort sehr nett zu mir gewesen.

Guido Frank: Was ist Dein Lieblingsspiel für das VCS 2600?

Klaus Wolf: Es gibt da keine. Denn mir geht es so: wenn ich ein neues Spiel habe, das mir gefällt, spiele ich einige Wochen lang und dann hängt es mir zum Hals raus.

Guido Frank: Welche Aktivitäten finden in Deinem eigenen Atari-Club statt?

Klaus Wolf: Wir machen zwar keine Meisterschaften, spielen aber jeden Tag zusammen. Meistens spielen wir gegeneinander, daß macht mehr Spaß als alleine zu spielen.

Tschüss, Euer Klaus Wolf

Guido Frank · 16.10.2003

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ÜBER DEN AUTOR

Guido Frank
Guido Frank
Meine Begeisterung für Videospiele entstand irgendwann Ende der 1970er Jahre, als ich als kleiner Knirps (Jahrgang 1968) erstmals den großen schillernden Spielautomaten gegenüberstand. Sofort erlag ich der Faszination, die solche Geräte auf mich ausübten. Es folgte der typische Lebenslauf wie für viele Jugendliche der Generation Pong. Nach dem Kauf einer eigenen Konsole nahm ich ab 1983 aktiv an der Atari VCS Bundesliga teil, der weltweit ersten überregionalen Gemeinschaft von Videospielern. Mit dem Commodore 64 erlebte ich die frühe Ära der Homecomputer und wurde dabei langsam erwachsen. Später hieß dann meine beste Freundin Amiga 500. Das Interesse an dem unterhaltsamen Medium hat mich seit damals nicht verlassen. Mit unserer Arbeit möchten wir erreichen, dass diese aufregende Pionierzeit nicht einfach in Vergessenheit gerät.

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