Startseite
Startseite
Artikel & Suche Wer wird sind Kontakt Links

Die Fans fragen, Klaus Ollmann antwortet

10.10.2005 · 1 Kommentar

Das Atari VCS. Werbung aus einem Atari Katalog von 1982. (Bild: Atari)
Das Atari VCS. Werbung aus einem Atari Katalog von 1982. (Bild: Atari)
Frage 6: Gab es besondere Ereignisse auf den Messen auf denen Atari ausstellte?

Klaus Ollmann: Ich habe bereits berichtet, über Treffen mit Steve Ross, dem Chef von Warner Communications oder mit Steven Spielberg, dem Regisseur. Die Atari-Messen waren grundsätzlich bestimmt durch Reihen von Spielmöglichkeiten, die unablässig in Dreierreihen von Fans belagert waren, um zu spielen. Im ersten Stock der Stände waren Besprechungsräume, in denen sich Einkäufer der Kunden mit unseren Verkäufern trafen, um ihre Messeaufträge zu platzieren.

Beeindruckend, aber extrem stupide waren unsere Versuche damals, dem Fachhandel gegenüber konditions- und servicetreu zu sein. Wir hatten noch nicht erkannt, dass die Zeit des beratungsintensiven Fachhandels vorbei und die Zeit der großen Märkte wie beispielsweise Media-Markt, Saturn, Schaulandt, Metro usw. gekommen war.

Ich habe es tatsächlich geschafft, einen eingehenden VCS-Auftrag über 20 Tausend Spiele, dies entsprach einem Einkaufswert von mehr als 3 Millionen DM, für Metro abzulehnen. Weniger weil die Preise unattraktiv waren (man war bereit Listenpreise zu zahlen), sondern weil die Geräte unterhalb des empfohlenen Verkaufspreises angeboten werden sollten. In der Fachzeitschrift Markt & Technik wurde ich laufend persönlich angegriffen, weil Atari Produkte zu Kampfpreisen angeboten wurden.

Man veröffentlichte meine Privatadresse und Telefonnummer für frustrierte Händler und es wurde mir laufend unterstellt, ich hätte Sonderpreise gemacht. Das brauchten wir aber gar nicht, weil uns das Produkt aus den Händen gerissen wurde. Wir brauchten auch bis zum Ende von Atari und meinem Rückzug keine besonderen Rückgaberechte zum Herbstgeschäft einzuräumen. Was immer in den Markt floss, wurde verkauft. Kein Wunder, während Atari in den USA bereits mehr als 26% der Marktabdeckung erreicht hatte, man war uns zwei Jahre voraus, lagen wir bei ca. 12% Marktabdeckung. Es gab noch viel zu verkaufen.

Atari Produkte in einem deutschen Quelle-Katalog von 1984/1985. Das Spiel Donkey Kong kostete damals 139,00 DM. (Bild: Quelle)
Atari Produkte in einem deutschen Quelle-Katalog von 1984/1985. Das Spiel Donkey Kong kostete damals 139,00 DM. (Bild: Quelle)

Mich beeindruckt heute, wie sklavisch wir versuchten, dem traditionellen Fachhandel Pfründe zu sichern (ohne dass uns das je gedankt wurde), während gleichzeitig die neuen Vertriebsformen sich vehement entwickelten und heute den Markt beherrschen. Geholfen hat mir bei dieser Einsicht mein späteres Engagement im Handel bei Videotheken und Verleih. Da stand ich als Einkäufer ebenso tradierten Verkaufsgesellschaften von Videoprodukten gegenüber, die für mich beängstigend die gleichen Fehler machte wie ich vorher. Das habe ich natürlich weidlich ausgenutzt.

Frage 7: Was wurde aus Ihren Arbeitskollegen und Freunden in der Branche? Gab es Leute die weiterhin mit Videospielen zu tun hatten?

Klaus Ollmann: Seit 1982 war für den Produktbereich PC und Computerspiele verantwortlich David Evans, ein alter Freund ebenfalls aus den Tagen bei WEA. Er hat seinen Job ganz hervorragend gemacht, stand aber dem ständigen Preisverfall durch Commodore ebenfalls hilflos ausgesetzt und stieg aus kurz vor der Übernahme durch Tramiel, um in die USA zu Apple zu gehen, wo er noch einige Jahre im internationalen Marketing gearbeitet hat. Ich besuchte ihn 1986 in San Francisco und wir verbrachten einige sehr nette Tage zusammen mit John Constantin, dem internationalen Produktchef von Atari. John ist heute Geschäftsführer der Elite Industrial Group in Oakland.

Atari verspricht Bildschirm-Spass für die ganze Familie. (Bild: Atari)
Atari verspricht Bildschirm-Spass für die ganze Familie. (Bild: Atari)
Mit Tony Bruehl (Atari International Vicepresident) und Dennis Groth (Chief Financial Officer Atari) in San Francisco verbindet mich noch heute eine enge Freundschaft. Tony hat seine eigene Beraterfirma und Dennis hat sich von seinen Abfindungen einen wunderbaren Weinberg bei Oakville in Napa Valley gekauft. Als ich ihn vor einigen Jahren besuchte, zeigte er mir stolz sein neues Verwaltungsgebäude. Wir beendeten den Tag mit der Verkostung einiger wunderbarer Weißweine. Hans-Ueli Haslers Schicksal habe ich bereits erwähnt und er wird mit Chance selbst einiges über die Atari-Aktivitäten dieser Zeit an diesem Ort berichten.

Werbung für Atari-Spiele. Ingesamt wurden ca. 500 Titel (!) für das VCS produziert. (Bild: Atari)
Werbung für Atari-Spiele. Ingesamt wurden ca. 500 Titel (!) für das VCS produziert. (Bild: Atari)
Meine jahrzehntelange Mitarbeiterin Bärbel Tomas, von der Telefonistin zu meiner Sekretärin bei WEA, dann Verwaltungschefin bei Atari, später Assistentin bei der Ollmann & Partner Unternehmensberaterin nahm ich sie schließlich mit zur edel music AG meines alten Freundes Michael Haentjes, wo sie noch heute sehr erfolgreich als Assistentin der Geschäftsleitung tätig ist. Eine Reihe von Vertriebsmitarbeitern konnte ich Ron Sommer, dem damaligen Chef bei Sony in Köln als Verkäufer unterbringen. Renate Knüfer, meine liebe Pressechefin ging zu Apple nach München und Herr Blödorn, mein Werbechef begegnet mir manchmal auf Webseiten. Und unser Berater in Werbedingen, Frank Baesler, arbeitet heute als Herausgeber von Trainingshandbüchern für Adobe-Graphikprogramme.

Rolf Rehfeldt, der Vertriebschef der Atari, machte sich nach der Wiedervereinigung mit einer eigenen Vertriebsmannschaft in Ost und West selbstständig. Ich vermittelte ihm die Vertriebsrechte für SEGA im Osten. Noch heute passiert es mir, dass ich Leute treffe, die mich begrüßen als ehemalige Atari Mitarbeiter. Ich gestehe dann, dass ich mich überhaupt nicht mehr erinnere. Vor einigen Jahren gab es in Hamburg auch mal ein Ehemaligentreffen.

Frage 8: Weiß Herr Ollmann etwas über das legendäre E.T.-burial?

Klaus Ollmann: Nichts Genaues. Ich glaube sogar, dass das ein Mär ist, die schon seit dem Misserfolg von E.T. durch die Branche geisterte. Ich habe bei meinem letzten Aufenthalt in San Francisco 2001, als ich nach einer River Rafting Tour durch den Grand Canyon mit meiner Tochter Lara meinen alten Atari International Vizepräsidenten Anton Bruehl besuchte und einige Tage bei ihm wohnte, ihn darauf angesprochen. Er fing an zu lachen und meinte, das wäre eine Sage, die nicht auszurotten sei. Ich persönlich weiß nichts davon.

Frage 9: Waren nach dem Ende bei Atari alle Kontakte abgeschnitten, oder hat Klaus Ollmann noch etwas über die neuen Homecomputer, Lynx, Jaguar und Co. erfahren? Was war seine Meinung über diese Atari Produkte?

Klaus Ollmann: Man muss sich vorstellen, wie abrupt mein Leben bei Atari abgeschnitten wurde. Ich wurde aus Sunnyvale kurz informiert, dass die Firma verkauft sei. Dann bekam ich ein Telex, das die Mitarbeiter in Scharen ausziehen unter Mitnahme aller möglichen Computer und Büromaterialien, also „Rette sich wer kann“. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass der neue Besitzer auf funktionierende internationale Gebilde verzichten wollte.

Alien VS. Predator auf einer Atari Jaguar Videospielkonsole von 1994. Das System basierte auf einem Motorola 68000 Prozessor. (Bild: Atari)
Alien VS. Predator auf einer Atari Jaguar Videospielkonsole von 1994. Das System basierte auf einem Motorola 68000 Prozessor. (Bild: Atari)

Aber hätte ich Tramiel gekannt, hätte ich gewusst, warum er Atari gekauft hatte. Nicht wegen der Spiele, sondern weil er mit dem Deal seine Gegner bei Commodore ärgern wollte, die ihn ausgebootet hatten.

Eine Woche später holte ich den Tramiel Beauftragten Mr. Harris vom Flughafen ab, ging mit ihm abends noch essen, holte ihn am Morgen vom Hotel ab. Kaum saßen wir in meinem Büro, der Kaffee war noch nicht gebracht, verlangte er, mit dem Controller zu reden. Ich sollte solange draußen warten. Nach 10 Minuten kam der Controller wieder raus und bat mich, nach Hause zu gehen.

Sie werden verstehen, dass mich die weitere Entwicklung der Produkte nicht mehr interessierte und die waren ja auch nicht mehr so erfolgreich. Das Unternehmen, dass ich liebte, auf das ich stolz war und das ich aufgebaut hatte, gab es nicht mehr.

Ich bekam bald darauf meinen Ruf nach London, als Vizepräsident International für Europe, Middle-East and Africa (EMEA) für Warner Home Video und es begann eine neue aufregende Zeit. Unter anderem holte ich Hans-Ueli Hasler, der zwischenzeitlich zurück in Zürich war, wieder zurück zu Warner. Ich selbst warf Mitte 1986 bei Warner hin, weil ich endlich mal richtig Geld verdienen wollte und baute in Hamburg mit meinem alten Freund Hans-Hermann Pein die größte Videothekenkette vfs video film supermarkt in Norddeutschland auf. Aber um aus Irma la Douce zu zitieren: „Das ist eine andere Geschichte“.



ARTIKEL TEILEN

VSG FOLGEN



1 KOMMENTAR

Dein Kommentar ist das Wertvollste was Du dem Autor zukommen lassen kannst. Nimm Dir etwas Zeit und hinterlasse ein paar Zeilen!

» Kommentar schreiben



DEIN KOMMENTAR

Schreibe dem Autor, was Dir zu Die Fans fragen, Klaus Ollmann antwortet einfällt. Er freut sich über Deine Zeilen!

Name oder @Twitter-Name

E-Mail

Homepage/Webseite

Beispiel: http://www.seitenname.de

Sicherheitscode
   Code erneuern

Wenn Du Deinen @Twitter-Namen angibst, erklärst Du Dich damit einverstanden, dass Du bei einem Tweet zu diesem Kommentar auf Twitter erwähnt wirst. Wenn Deine E-Mail Adresse mit Gravatar verknüpft ist, erscheint Dein Bild neben Deinem Kommentar. Deine Adresse wird niemals öffentlich angezeigt. Deine Homepage/Webseite wird unter Deinem Kommentar angezeigt.